Zirkeltraining der Feuerwehren aus dem Altkreis Hofgeismar

Eine ausgelöste Brandmeldeanlage, eine bewusstlose Person in einem Gefahrstoffbereich, ein rauchender Radlader, ein festsitzender Angler mitten im Teich und ein Arbeiter, der unter einem tonnenschweren Abrollcontainer eingeklemmt ist. Was am Samstag rund um Hofgeismar nach mehreren dramatischen Einsätzen klang, war in Wirklichkeit ein intensiver Ausbildungstag.

Beim Zirkeltraining des Landkreises Kassel in Zusammenarbeit mit dem Kreisfeuerwehrverband Hofgeismar mussten die Einsatzkräfte an fünf unterschiedlichen Stationen ihr Können unter Beweis stellen. Zu jeder vollen Stunde hieß es für die Feuerwehren aus Reinhardshagen, Wesertal und Liebenau sowie für eine gemischte Gruppe aus Hofgeismar und Liebenau: erkunden, entscheiden, handeln – und dabei jederzeit den Überblick behalten.

Jede Station stellte die Einsatzkräfte vor eine neue nicht alltägliche Herausforderung. Dabei ging es nicht darum, möglichst schnell „fertig“ zu werden. Entscheidend waren eine genaue Erkundung, die richtige Einsatztaktik, Kommunikation und vor allem das sichere Zusammenspiel der Mannschaft.

Ein Alarm, aber kein Feuer

An der Gustav-Heinemann-Schule begann der Übungstag mit einem Szenario, das auf den ersten Blick nach einem klassischen Brandmeldealarm aussah. Doch schnell wurde klar: Feuer gab es keines. Eine Person hatte einen medizinischen Notfall und konnte selbst noch einen Handdruckmelder ausgelöst. Die Einsatzkräfte mussten den ausgelösten Bereich lokalisieren, die Situation richtig einschätzen und mithilfe des Feuerwehrplans die notwendigen Maßnahmen einleiten. Gerade solche Situationen zeigen, dass ein ausgelöster Alarm nicht automatisch bedeutet, dass ein Brand die Ursache ist. Für die Einsatzkräfte kommt es deshalb auf eine gründliche Erkundung und ein strukturiertes Vorgehen an. Die Feuerwehr Immenhausen übernahm an dieser Station die Übungsleitung.

Plötzlich wird aus einer Menschenrettung ein Gefahrguteinsatz

Noch anspruchsvoller wurde es an der Umweltfabrik des Landkreises Kassel. Das Einsatzstichwort lautete „H1Y – Person in Notlage“. Was zunächst nach einer klassischen Menschenrettung klang, entwickelte sich nach der Erkundung zu einer deutlich komplexeren Lage. Die Einsatzkräfte mussten eine Gefahrgutlage erkennen. Es war ein Gefahrstoff ausgetreten und gleichzeitig befand sich eine bewusstlose Person im betroffenen Bereich. Hier war nicht nur schnelles Handeln gefragt. Die Einsatzkräfte mussten sich zunächst selbst schützen, die Gefahrenlage beurteilen und anschließend die richtigen Schritte nach der GAMS-Regel einleiten. Eine Situation, bei der jeder Handgriff sitzen muss. Die Übung wurde von der Feuerwehr Grebenstein geleitet.

Rauch aus einem Radlader – und kein Hydrant in Sicht

An der Papiermühle in Hofgeismar wartete die nächste Herausforderung auf die Einsatzkräfte. Aus einem Radlader, der in einer landwirtschaftlichen Halle stand, drang dunkler Rauch. Das Einsatzstichwort lautete „F1 – Kleinbrand“. Doch die eigentliche Herausforderung lag nicht nur in der Brandbekämpfung, sondern in der Beschaffung des Löschwassers. Für die Löschwasserversorgung stand lediglich ein öffentliches Gewässer zur Verfügung, welches aber nur über eine lange Böschung erreichbar war. Die Einsatzkräfte mussten daher eine geeignete Wasserentnahmestelle suchen und die Löschwasserversorgung entsprechend aufbauen. Ein Szenario, das deutlich machte, dass eine erfolgreiche Brandbekämpfung nicht allein vom Löschfahrzeug abhängt – sondern auch von einer funktionierenden Wasserversorgung und einer guten Einsatzplanung. Die Feuerwehr Calden übernahm die Übungsleitung.

Mit dem Rettungsboot auf dem Angelteich

Eine Wasserrettung stand an der vierten Station auf dem Programm. Am Angelteich in Hombressen lautete die Lage: „HWASSY – Angler steckt im Teich fest.“ Für die Einsatzkräfte stand ein Rettungsboot bereit. Bevor es jedoch ins Wasser ging, erhielten die Teilnehmer von der DLRG eine kurze Einweisung im Umgang mit dem Boot und den verschiedenen Rettungsmaterialien. Anschließend musste die betroffene Person sicher aus dem Teich gerettet werden. Eine Übung, die nicht nur körperlichen Einsatz verlangte, sondern auch zeigte, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen ist. Die Feuerwehr Hofgeismar übernahm hier die Übungsleitung.

Ein Unfall – und plötzlich gibt es zwei Patienten

Zum Abschluss wurde es noch einmal technisch anspruchsvoll. Auf dem Parkplatz der ASS-Sporthallen war ein Arbeiter unter einem Abrollbehälter eingeklemmt. Für die Einsatzkräfte bedeutete dieses, eine technische Rettung vorzubereiten, die Einsatzstelle absichern und gleichzeitig die Rettung der eingeklemmten Person durchzuführen. Doch dann kam eine weitere Herausforderung hinzu.  Auch die Person, die den Unfall entdeckt hatte, musste betreut und behandelt werden. Damit standen die Einsatzkräfte vor einer Situation, wie sie auch im echten Einsatz vorkommen kann. Nicht nur der ursprünglich gemeldete Patient benötigt Hilfe. Plötzlich müssen mehrere Menschen gleichzeitig versorgt werden. Auch diese Station wurde von der Feuerwehr Hofgeismar geleitet.

So ein Tag braucht starke Partner

Damit die Einsatzszenarien möglichst realitätsnah ablaufen konnten, waren zahlreiche Helfer beteiligt. Das DRK Wesertal stellte die Mimen und sorgte damit dafür, dass die Einsatzkräfte nicht nur mit Übungspuppen, sondern mit realistisch dargestellten Verletzten und Betroffenen arbeiten konnten. Für die Verpflegung der Teilnehmer sorgte das DRK Grebenstein mit Kaffee und einem stärkenden Mittagessen. Ein besonderer Dank gilt der Feuerwehr Hofgeismar, die das Feuerwehrhaus für die Begrüßung, Mittagspause und Verabschiedung zur Verfügung stellte und darüber hinaus die weitere Organisation des Ausbildungstages unterstützte.

Training, das im Ernstfall den Unterschied machen kann

Fünf Stationen, fünf völlig unterschiedliche Einsatzlagen – und immer dieselbe zentrale Frage: Was tun, wenn es wirklich passiert? Genau darauf zielte das Zirkeltraining ab. Die Einsatzkräfte sollten nicht nur einzelne Handgriffe trainieren, sondern vor allem lernen, auch unter Zeitdruck strukturiert zu arbeiten, Gefahren frühzeitig zu erkennen und gemeinsam die richtigen Entscheidungen zu treffen. Denn wenn der Alarm im echten Einsatz ertönt, gibt es keine zweite Chance und keinen Neustart. Dann müssen Abläufe funktionieren, Kommunikation stimmen und jeder wissen, was zu tun ist. Das Zirkeltraining hat deshalb einmal mehr gezeigt, dass Feuerwehrarbeit nicht erst beginnt, wenn die Sirene läuft. Sie beginnt beim gemeinsamen Üben – damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.